Bayerns Biokönigin kommt nach Deggendorf: „Jeder sollte erfahren, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie erzeugt werden“

(30. Juli 2019, München) Zurück zu den Ursprüngen: Als Studentin hat sie in Deggendorf gelebt – jetzt kehrt Carina Bichler als Biokönigin zurück an den Ort, an dem sie so gerne studiert hat. Im Leben der 28-Jährigen hat sich vieles geändert, seit sie vor rund einem Jahr das Amt übernommen hat. Sie ist die zweite Königin dieser Art in Bayern und die einzige in Deutschland. Ihr Ziel: „Die Menschen zum Nachdenken anregen.“

Die gebürtige Unterallgäuerin beteiligt sich auch an der BR-Radltour und will dabei das Bayerische Bio-Siegel bekannter machen. Am Donnerstag hält die Tour mit mehr als 1.000 Teilnehmern in Deggendorf und auch Carina Bichler wird vor Ort sein, um mit allen Interessierten zu sprechen. Im unserem Interview spricht sie über ihre Aufgaben als Biobotschafterin, ihre Studienzeit in Deggendorf, die Zukunft des Biolandbaus und über ihre persönlichen Wünsche. 

 

Frau Bichler, Ihr Amt ist einmalig in Deutschland. Wie kamen Sie darauf, sich als Biokönigin zu bewerben? 

Der Ökoanbauverband Bioland hat mich darauf angesprochen, was ich als große Ehre empfand. Ich habe mich dann ganz bewusst dafür entscheiden, für das Amt zu kandidieren, weil es eine wahnsinnig spannende Gelegenheit ist, für den Ökolandbau zwei Jahre als Botschafterin unterwegs zu sein.

Biokönigin zu sein ist ehrenamtliche Arbeit. Warum widmen Sie einen großen Teil Ihrer Freizeit diesem Amt?

Mir ist der ökologische Landbau einfach eine Herzensangelegenheit! Ich komme selbst von einem Bioland-Betrieb im Unterallgäu und bin damit aufgewachsen. Ich finde es wichtig, dass wir den Ökolandbau weiter vorantreiben und bekannter machen. Als Biokönigin möchte ich dazu beitragen, dass Bio nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Menschen das Natürlichste der Welt wird und dass auch den Menschen, die sonst mit Landwirtschaft nicht so in Kontakt kommen, mehr Informationen zugänglich gemacht werden.

Nun kosten viele Bioprodukte auch etwas mehr. Haben Sie als Studentin mit schmalem Geldbeutel trotzdem darauf geachtet, Bioprodukte einzukaufen?

Ja, das war für mich eine totale Gewohnheit und ich kannte ja nur die Biopreise. Ich weiß aufgrund meiner Erfahrungen und meiner Herkunft natürlich auch, dass etwa ein Preis von 60 Cent für ein Bund herkömmlicher Radieschen einfach nicht realistisch sein kann – dass so ein Preis immer zu Lasten der Erzeuger und meistens auch der Umwelt geht. Wenn ich regional und saisonal einkaufe und frisch koche, dann kann ich mir Bio auch als Studentin leisten. Ich koche viel vegetarisch, das ist auch ein wichtiger Punkt. Denn gutes Fleisch, bei dem die Qualität und die Haltungsbedingungen der Tiere stimmen, hat seinen Preis! Mir ist es einfach wichtig, gut zu essen.

Sie haben drei Jahre in Deggendorf studiert. Konnten Sie die Kommilitonen mit Ihrer Haltung anstecken? 

Ja, meine Freundinnen und Freunde haben durch unsere Begegnungen und Gespräche selbst begonnen, sich mit Biothemen zu befassen. Man guckt sich das untereinander halt so ab und es findet automatisch ein Umdenken statt. Und wenn ich die heute wiedertreffe, sehe ich oft ein verändertes Einkaufsverhalten.

Nun sind Sie seit fast einem Jahr im Amt – was konnten Sie in den vergangenen Monaten als Biokönigin erreichen?

Ich spreche beinahe jede Woche bei ganz unterschiedlichen Veranstaltungen mit vielen Menschen, die ich gerne zu einem Umdenken inspirieren möchte. Neulich war ich zu Gast in Nordhessen und habe dort engagierte Studenten getroffen, aber auch ganz normale Bürger. Die haben mir viele Fragen zu den Zusammenhängen rund um die Biolandwirtschaft gestellt. So kann ich Unklarheiten beseitigen und meinen Beitrag für Bio leisten.

Wie müssen wir uns Ihre Tätigkeiten und Reisen als Biokönigin genau vorstellen? 

Ich bin auf Messen wie z. B. der Internationalen Grünen Woche in Berlin oder der Biofach in Nürnberg im Einsatz. Dort werden auch Bayerns beste Bioprodukte und die schönsten Veranstaltungen der Bio-Erlebnistage ausgezeichnet. Dazu kommen Auftritte bei weiteren Messen, auf Märkten, Hoffesten oder auch politischen Veranstaltungen. Jetzt im Juli war ich vier Tage beim Deutschen Königinnentag unterwegs, zudem war ich auf dem Sommerfest des Bayerischen Landtags aktiv. Hinzu kommen so ein bis zwei Pressetermine pro Monat. Auch auf Agrarschauen bin ich vertreten und treffe dort gleichermaßen auf absolute Fachleute sowie auf Laien, die sich schlau machen wollen.

Wie unterscheidet sich Ihr Amt von den zahlreichen Produktköniginnen, etwa der Hopfen-oder der Milchkönigin? 

Die anderen Königinnen stehen immer für ein Produkt. Ich vertrete im Gegensatz dazu die gesamte Biobranche, also die Ökolandwirtschaft und die Bioverarbeiter mit ihren Produktionsweisen.

Seit 2015 gibt es das „Bayerische Bio-Siegel“, für das Sie mit Ihrem Amt auch werben. Wofür steht das Siegel? 

Das Tolle am Bayerischen Bio-Siegel ist, dass es den Verbraucher noch einmal genau über die exakte Herkunft des Produktes und der Rohstoffe informiert. Das Siegel kennzeichnet nur Bioprodukte, die vollständig in Bayern erzeugt und verarbeitet beziehungsweise mit bayerischen Biorohstoffen hergestellt wurden. Die Kennzeichnung sorgt für Klarheit beim Einkauf, schließlich wollen die Menschen ja mehr Bioprodukte aus der Region kaufen. Dem Bayerischen Bio-Siegel liegen die strengen Richtlinien der vier Ökoanbauverbände Bioland, Biokreis, Demeter und Naturland zugrunde.

Nun umfasst nachhaltiges Verhalten mehr als die richtige Auswahl an Nahrungsmitteln. Wie sehr beschäftigt Sie das? 

Ich sehe meine Aufgabe durchaus als ein ganzheitliches Einsetzen für den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Zum Beispiel ist mein Königinnendirndl von einem Label, das Upcycling-Trachtenmode designt. Hier werden fehlerhafte Reststoffe aus der Modeindustrie wiederverwertet – denen man die Fehler aber nicht ansieht! Normalerweise werden diese Stoffe gelagert oder irgendwann verbrannt. Außerdem trage ich Schuhe aus biozertifiziertem, pflanzlich gegerbtem Leder, und auch meine Handtasche ist aus pflanzlich gegerbtem Leder. Es ist mir wichtig, bei meinen Auftritten solche Alternativen aufzuzeigen.

Zurück zu Ihrer Studienzeit: Was hat für Sie das Leben in der Stadt Deggendorf besonders ausgezeichnet? 

Ich schätze an Deggendorf sehr, dass es keine typische Kleinstadt ist, aber mit 37.000 Einwohnern auch definitiv weit entfernt ist von einer anonymen Großstadt. Untypisch ist der große Anteil der Studierenden an der Gesamtbevölkerung. Das belebt die Stadt und die Kulturszene. Ich war immer schnell in der Natur, an der Donau oder im Bayerischen Wald. Man erreicht außerdem alles zu Fuß oder mit dem Rad. Durch diese Art von Leben und Studieren habe ich für mich persönlich gemerkt, dass ich in die Biobranche möchte. Meine Praktika habe ich dann direkt in diesem Bereich gemacht. Angeschlossen habe ich dann noch ein englischsprachiges Masterstudium in Agricultural Economics.

Nun kommen Sie zurück nach Deggendorf. Was haben Sie vor? 

Am 1. August macht die Radltour des Bayerischen Rundfunks Zwischenstopp in Deggendorf. Erwartet werden am späten Nachmittag mehr als 1.000 Radler und viele Tagesgäste. Im Ankunftsbereich gibt es einen Pavillon zum Bio-Siegel – da werde ich alle Fragen rund um meine Tätigkeit als Biokönigin, das Bio-Siegel und ein ökologischeres Leben beantworten. Ich freue ich mich auf viele spannende Gespräche!

Und worauf freut sich die Privatperson Carina Bichler am meisten? 

Für mich ist es einfach schön, nach längerer Zeit zurückzukommen nach Niederbayern. Ich habe die Gelegenheit, alte Freunde zu treffen. Zudem will ich sehen, wie sich die Stadt entwickelt hat. Und: Ich freue mich auch schon sehr auf das Konzert von Mark Forster!

Wenn Sie dann am Ende Ihrer Amtszeit als Bayerische Biokönigin noch drei Wünsche frei hätten, welche würden Sie sich erfüllen? 

Ein Riesenwunsch wäre mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung und im Außer-Haus-Verzehr! In den meisten Restaurants, aber auch Kitas, Schulen, Krankenhäusern oder Kantinen ist das Angebot von Bio noch sehr begrenzt. Ich wünsche mir zudem mehr Bildungsangebote zur Ernährung und Biothemen in Kindergärten sowie Schulen. Jeder sollte erfahren, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie erzeugt werden. Damit man dann selbst wählen kann! Und ich wünsche mir, dass die Menschen einfach neugierig bleiben, und möglichst viel selbst kochen mit dem, was in ihrer Region und in der jeweiligen Jahreszeit wächst! 

 

Treffen Sie die Biokönigin: 

1. August 2019 ab 17 Uhr

Volksfestplatz Deggendorf

Stand des Bayerischen Bio-Siegels,
Standnummer 11


 



Pressekontakt:

Heidi Kelbetz
089 / 4423190-16
presse@lvoe.de

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